PORTRAIT OLAF OBSOMMER

BIG-O ist vom Wildwasservirus infiziert!

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FOTO JENS KLATT

Text: Werner Götz

 

Mit dem Element Wasser kam Olaf Obsommer schon sehr früh in Berührung. Damals, als er über seine Eltern in den Verein und dadurch ins Kajak kam. Heute kennt den Wahlrosenheimer so ziemlich jeder. Pro Jahr hat er an 40 Tagen ein volles Haus, wenn er seine Wildwasserfilme zeigt.

Rhein und Wupper, das waren Olafs Hausflüsse, wenn er mit seinen Eltern zum Paddeln unterwegs war. Später auf den Wildflüssen der Eifel, auf Rur bei Monschau. Und es zog ihn damals schon in die Alpen zum Wildwasserfahren bei den Wildwasserwochen des Kanuverbandes Nordrhein Westfahlen und des DKV. Mit 16 paddelte er schon die Kaiserklamm auf der Brandenberger. Als Olaf dann mit 18 seinen Führerschein hatte, begann die wilde Zeit erst richtig. Zusammen mit einem Freund und den Wildwasserführer in Gepäck, ging es quer durch die Alpen. Von Soca bis Verzasca.

INTERVIEW OLAF OBSOMMER MOVING ADVENTURES

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Damals in den Alpen - heute in der ganzen Welt unterwegs

 

»Das war absolut Super«, erinnert sich Olaf heute. Er wollte schon immer im hohen Niveau unterwegs sein. Das verlief bisher auch immer glimpflich. »Sogenannte Grenzschwümme hatte ich bisher erst zwei Mal.«

Mit 28 musste Olaf dann einfach näher an sein Wildwasserrevier. Er packte Sack und Pack und zog um nach Rosenheim. Was folgte waren Zeiten, in denen Olaf rund 150 Tage im Jahr im Kajak saß.

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Wollte schon immer etwas extremer paddeln: Olaf Obsommer

 

Die Sache mit der Filmerei entwickelte sich dabei von selbst und ganz nebenbei. Vor 20 Jahren hatte er erstmals die Kamera dabei. Das war im Tessin, in Norwegen und in Korsika und vor 15 Jahren war der erste digitale Camcoder im Gepäck.

Begeistert von seinen Filmen gab es für Olaf Unterstützung durch Hans Meier von LaOla und Horst Fürsattel, dem heutigen Veranstalter der Nürnberger Kanumesse.

Der Anfang war schwer für den Autodidakten Olaf Obsommer. Zum Schnitt der Filme konnte er das technische Equipment seines Freundes, dem Kletterer Udo Neumann, nutzen. Heute erledigt er dies alles am eigenen Schnittplatz zu Hause.

 

 

 

Gilt es doch nach einer Wildwasserreise acht bis 15 Stunden Material zu sortieren und zu sichten. Schon das nimmt zwei bis drei Wochen in Anspruch. Dann folgen noch mal rund vier Wochen bis daraus ein fertig vertonter Film entsteht.

FOTO PETER LINTNER

Und dann muss ja auch noch die Tour vorbereitet werden, bei der Olaf pro Jahr bis zu 40 Vortragstermine in Deutschland, Österreich und der Schweiz absolviert.

Es kam schon mal vor, erinnert sich Olaf, als ich eine Vorstellung in Hannover hatte, stand ich vor verschlossenem Saal, niemand war da, kein Publikum, kein Hausmeister. Bis es ihm dämmerte, dass er sich im Terminkalender um eine Woche verschaut hatte und zu früh vor Ort war. 700 Kilometer An- und Rückreise von und nach Rosenheim waren umsonst. Eine Panne, die unter der Rubrik "Dumm gelaufen" im Gedächtnis bleibt

FOTO JENS KLATT

Wer Olafs Filme kennt, glaubt gar nicht, mit welch einfachen Mitteln die Bilder vor Ort gedreht werden. Ein Auslegerarm für die Kamera kommt nur selten zum Einsatz, denn wenn alles für mehrere Tage für eine Schluchtbefahrung im Kajak gepackt werden muss, hat solches Equipment schlicht und einfach keinen Platz. Dann wird die Kamera in die Pelicase gepackt und ein Stativ kommt mit. Der restliche Platz im Boot wird für Isomatte, Schlafsack, etwas Kleidung und Nahrung benötigt. Nicht mal ein Zelt kommt mit. Meistens genügt ein Tarp.

FOTO JENS KLATT

Viel wichtiger als kiloschwere und platzraubend Ausrüstung sind das gute Auge des Kameramanns und die perfekte Wahl des Standortes, von dem aus gefilmt wird.

Ganz klar, den schönsten Sport der Welt mit der Filmerei zu verbinden und Jahr für Jahr Tausende Zuschauer mit den Filmen zu begeistern, hat schon seinen Reiz. Diese Kombination stellt sicher für viele den Traum vom Leben dar. Kajakfahren, Filmen und davon leben.

Aber klappt das?

Olaf hat da den Bogen raus und verdient sich dadurch seine Brötchen, aber natürlich nicht nur davon. Schon lange arbeitet er in der Werbebranche, dreht Imagefilme für die Industrie, öffentliche Einrichtungen oder berät bei Filmproduktionen wie der adidas Sikline-WM. Was letztendlich zählt ist die Erfahrung und das filmerische Auge durch das letztendlich der Zuschauer, der den fertig geschnittenen Film sieht, in den Bann gezogen wird.