TESSIN & PIEMONT 2007

Fotos: Manuel Arnu & Thilo Schmitt

TESSIN & PIEMONT

Text: Markus Hummel

 

Nachdem wir schon einige schöne Tage in Val Sesia verbracht, und unsere Ausdauer und Kondition beim Teva Extreme Race, sowie unsere mentale Stärke auf dem Devil Slide auf die Probe gestellt hatten, zog es uns Aufgrund mangelnden Wassers und mittelprächtigen Wetters (Bewölkt und ca. 17 °C) ins nahe Tessin.

Mit einer perfekten Teamgröße rund um Olaf, Manuel mit Frau und Kindern, Floh, Fabian und meiner Wenigkeit, konnten wir bei traumhaftem Wetter und 25 °C Befahrungen auf der Melezza und Verzasca verbuchen. Fabian konnte dabei, trotz einer Magen-Darm-Grippe, seinem inneren Drang der perfekten Linie nicht widerstehen und befuhr den sagenumwobenden Fall der unteren Verzasca.

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Am darauf folgenden Tag entschloss sich Manuel samt Familie, die Zelte abzubauen um die Heimreise anzutreten, da ein Temperatursturz und heftiger Regen den Campingplatz unter Wasser setzte. Ebenso Fabian musste abreisen, um seinen Vereinsverpflichtungen in Augsburg nachzukommen.

Anfangs demotiviert durch das nasskalte Wetter und vor allem die nassen Paddelklamotten, stieg unsere Motivation durch die steigenden Wasserstände und der Verstärkung unseres Teams durch Thilo Schmitt wieder rasch an. Auf dem Plan stand der obere Isorno. Also, hochfahren, umziehen, und – wie soll es auch anders sein – erstmal eine halbe Stunde reintragen, da die letzen Kilometer der Straße durch eine Schranke versperrt werden.

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Aber schon kurz vor dem Einstieg sind die Strapazen vergessen, da bereits vom Weg aus eine der schönsten Stellen des Isorno wartet: Die ca. 30 Meter lange Rutsche, macht Lust auf mehr und lässt das Herz höher schlagen. Bei einer Wassermenge von 15-18 m³ war auch von den sonst etwas schrappeligen Zwischenstücken nichts zu merken. Es folgten weitere Rutschen und Stufen, die einem immer wieder die volle Aufmerksamkeit abverlangen. Die wohl bekannteste Stelle auf dem Isorno, der Röhrenfall, haben wir dann umhoben, da keiner bereit war, sich bei diesem Wasserstand den Meltdown-Contest zu geben.

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Nach dem Fall ist es nur noch eine relativ kurze Strecke bis zum Ausstieg, welche mit Genusswildwasser und einem optischem Highlight – einem Wasserfall, der in den Isorno mündet – belohnt. An was man bei den letzten Metern lieber noch gar nicht denkt, ist der Ausstieg, da dieser Wohl die größte Anstrengung bedeutet. Ca. 35 Minuten auf einem Trampelpfand das Tal hinauf und das nach 3,5 Stunden Paddeln. Aber Olaf machte Lust auf mehr. Mit den Aussagen: »Hochtragen müssen wir so oder so, da könnten wir doch gleich die nächsten 2-3 Kilometer zum nächsten Ausstieg noch mitfahren. -  Euch wird es auch gleich wieder warm, da wir erst noch die nächste Stelle umtragen müssen und das ca. 'ne halbe Stunde in Anspruch nimmt. – Nein keine Angst, schwerer wird es nicht mehr eher ein wenig leichter, außerdem habe ich von einer Befahrung bei 20 m³ gehört.« Das war für uns mehr als überzeugend.

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Um 17.00 Uhr, schon etwas müde aber hoch motiviert gingen wir die Umtrage an. Dass der Regen den Hang extrem rutschig und schmierig gemacht hatte, störte uns wenig und die Neugierde auf das, was uns erwarten würde trieb uns den Hang hinunter, nur auf den letzten Metern ließen wir unsere Boote mit dem Wurfsack zu Wasser und booteten ein. Aber schon nach der ersten Stelle mussten wir wieder aus unseren Booten heraus um zu Scouten und die ersten Zweifel kamen auf. Eine Befahrung bei 20 m³? Bist du dir sicher Olaf? Sind doch die Stellen bei 15 m³ zum Teil nicht und manche nur sehr schwer bzw. mit hohem Risiko zu befahren. Und was ist mit der Stelle da hinten? Nicht mehr einsehbar, wohl eine Zwangspassage.

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Olaf war sich wohl sicher, dass hinter der Kurve die Schwierigkeit wieder abnimmt und die Schlucht offener wird, doch lag seine letzte Befahrung einige Jahre zurück und der Wasserstand war damals um ein vielfaches geringer. Nach gut einer Stunde Scouten entschlossen wir uns gegen 18.30 Uhr, den Rückzug anzutreten. Doch leider ging dieser nicht so leicht wieder runter, jeder Meter bis zum normalem Trampelpfand, welcher aus der Schlucht führt, musste rausgeseilt werden und war extrem mühsam. Das Gelände war steil und durch den Regen extrem rutschig. Ein Versuch Olafs, nur wenige Meter ohne Seil, mit Boot auf der Schulter zu gehen, wurde beinahe zum Verhängnis, er verlor den Halt auf dem schlammigen Untergrund und stürzte. Das Problem: Er konnte das Boot nicht loslassen, da er mit der Schulter eingeklemmt war und rutsche somit  8 Meter ab und kam erst ca. 3 Meter oberhalb einer senkrecht abfallenden Wand zu stehen.

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Darauf hin bewegten wir die Boote nur noch mit Hilfe von Seilen und waren unendlich froh, als wir nach 50 Minuten den Trampelpfand erreichten. Jetzt hieß es Boote schultern und weitere 35 Minuten dem Pfand über einen Bergrücken folgen. Keuchend und erschöpft kamen wir oben an, aber schon wenig später waren alle Strapazen vergessen und der Plan für eine erneute Befahrung gefasst. Der Plan: Morgen einen entspannten Tag auf der Loana und auf den zwei darauf folgenden Tagen den Isorno bis in die Mündung des Ribos zu befahren.

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Der Tag auf der Loana war wunderschön, aber alles andere als entspannend. Nach einem 20 minütigen Bergab zum Einstieg überredete Thilo uns, wieder umzukehren und noch den oberhalb liegenden Basso zu befahren, der aber nur zu Fuß erreicht werden kann. Also drehten wir um und gingen knapp 45 Minuten mit den Booten auf den Schultern flussaufwärts, bis wir den Einstieg, eine ca. 100 Meter lange Rutsche erreicht hatten.

Der  Basso belohnt mit unglaublich schönen Rutschen und Stufen und war jeden Meter Fußmarsch wert. Bei der Mündung des Basso in die Loana hieß es wieder aussteigen um die ersten unfahrbaren Meter zu umtragen. Anschließend erwarteten uns schöne verblockte Stellen, die mehr und mehr in Grundgesteinsrutschen übergingen. Unser so genannter Entspannungstag entpuppte sich also auch als ein anstrengender, knapp sechsstündiger Ausflug.

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Nun stand erneut der Isorno auf dem Plan. Schon im oberen Teil haben wir gemerkt, dass der Wasserstand zurückging und wir nur noch ca. 10-12 m³ hatten. Am ersten Ausstieg angekommen, haben wir uns gleich an die Umtrage gemacht, um keine Zeit zu verlieren. Doch da kam auch schon die erste Frage auf: Wie sind wir da letztes Mal nur ohne Seil runter? Wir haben uns dann recht schnell entschlossen, die Boote abzuseilen.

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Unten angekommen, schauten die Stellen dann schon freundlicher als bei 18m³ aus, doch leider mussten wir die ersten umtragen, da der Wasserstand immer noch zu hoch war. Anschließend öffnete sich die Klamm wieder, wie Olaf bereits zwei Tage zuvor vermutete und die Stellen wechselten sich zwischen einigen schönen fahrbaren und einzelnen unfahrbaren Stufen ab.

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Am Ausstieg der zweiten Etappe wollten wir ursprünglich unsere Boote deponieren, um am nächsten Tag von dort aus weiter zu paddeln. Da uns der kommende Abschnitt aber unbekannt war und wir uns auch keine Informationen vom Flussführer eingeholt hatten, entschlossen wir uns nach langem Scouten der nächsten unfahrbaren Stellen und Suche nach möglichen Umtragerouten, die Boote aus der Schlucht zu tragen. Leider stand auch dieser Ausstieg dem ersten in nichts nach und wir mussten nach stundenlangem Paddeln, Umtragen und Scouten, unsere Boote 30 Minuten den Berg hinauf schleppen.

Oben angekommen war uns klar, dass wir in diesem Urlaub keine weitere Befahrung des Isorno wagen werden und das nach drei 6-7 Stunden-Trips erst einmal ein Tag Pause notwendig war. Dass heißt aber nicht, dass unser persönliches Ziel, den Isorno komplett zu befahren, gestorben ist. Den Flussführer durchgelesen und um einige Informationen reicher werden wir bestimmt wieder kommen und einen weiteren Versuch wagen.



Team:

Markus Hummel

Florian Dillier

Manuel Arnu

Olaf Obsommer

Thilo Schmitt

 

Sponsoren: adidas, Langer, Dagger, Ty Warp, wave sport, Zoelzer, AKC , HF