SUMATRA / JAVA 2009

Fotos: Jared Meehan

Sumatra: Im Urwald

Text: Fabian Dörfler

 

Ziel der Expedition des adidas Sickline Teams: die wilden Wasser Javas und Sumatras. Spektakuläre Wasserfälle im Regenwald und unvorhersehbare Zwischenfälle machten die Tour zu einem Abenteuer mit vielen Unbekannten.

Wir relaxen am Citarik-River an der Raftstation von Arus Liar, etwa drei Autostunden südlich von Jakarta. Das ist die Rafting-Company, die uns mehr als gastfreundlich aufnimmt und uns begleitet. Halim, ein deutscher Auswanderer, und Lodi, der technische Leiter von Arus Liar, haben uns am Montagabend in Jakarta abgeholt und zur Raft-Basis gebracht. Am Dienstag können wir bereits erste Bekanntschaft mit indonesischem Wildwasser machen. Wir, das sind Tomass Marnics aus Lettland, Jared Meehan, Sam Sutton und Toby Robertson aus Neuseeland, Olaf Obsommer und ich. Der erste Fluss unserer Kajak-Abenteuer heißt Cibareno und ist sehr gut erreichbar. An der Schlüsselstelle strömt der gesamte Fluss – eine üppige braune, warme Suppe – auf der linken Seite über eine Abrisskante und stürzt dann etwa sieben Meter hinab. Das Ganze sieht ziemlich fies aus, weil auf halbem Weg ein Prallpolster kommt, aber es lässt sich deutlich besser fahren, als auf den ersten Blick anzunehmen war.

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Für den Mittwoch verspricht uns Lodi einen 10 bis 15 Meter hohen Wasserfall am Cianten-Fluss. Ein erster Blick bietet uns die Aussicht auf einen etwa 25 Meter hohen Wasserfall – über dessen Kante leider nur ein winziges Rinnsal läuft! Der größte Teil des Cianten wird wohl zur künstlichen Bewässerung abgeleitet. Also muss dieser eigentlich ziemlich perfekte Wasserfall wohl noch einige Zeit auf eine Erstbefahrung warten. Wir werden darauf vertröstet, dass die Wampu-Falls in Sumatra eigentlich immer genug Wasser haben und mindestens ebenso beeindruckend sind.

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Als nächstes steht der Cimadur auf dem Programm. Ganz früh morgens geht es los, damit wir – so der Plan – am Abend rechtzeitig fertig sind. Denn hier in Äquatornähe ist es jeden Tag spätestens um 19 Uhr stockdunkel. Lodi erzählt, dass er einmal mit dem Raft in die Schlucht des Cimadur gefahren ist. Vorher hatte er zwar vom Flugzeug aus gescoutet, aber weil der Dschungel über der Schlucht so dicht ist, hatte man damals einen Wasserfall übersehen, und Lodi musste abbrechen und aus der Schlucht herausklettern. Als wir nach einer halben Stunde den Wasserfall erreichen, wird uns schnell klar, dass er zwar nicht unfahrbar ist, aber ein Kajak-Ritt unter den gegebenen Umständen zu riskant wäre. Rechts landet das Wasser auf einem Felsriegel, links lauert eine Höhle mit starker Strömung und keiner Möglichkeit, eine Sicherung aufzustellen. Also umtragen!

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Sam und ich haben gerade begonnen, das erste Boot einige Meter hochzuziehen, als Sam mit der Machete abrutscht und sich in die Hand schneidet. Erste Hilfe-Tasche haben wir natürlich dabei, aber an eine Weiterfahrt ist nicht zu denken. Sam und Jared machen sich sofort auf den Weg aus der Schlucht, der Rest von uns bindet die Boote fest und folgt. Nach cirka einer Stunde Wanderung und einer weiteren halben Stunde Motorradfahrt wird Sam mit sieben Stichen genäht. Wenn alles gut läuft, kann er in zehn Tagen wieder paddeln, rechtzeitig für Nordsumatra. Wir übernachten in einem kleinen Dorf in der Nähe, wo die Leute unglaublich gastfreundlich sind, so wie eigentlich überall hier.

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Nach einer Autofahrt, einer Wanderung bergab, nach dem Boote-aus-der-Schlucht-seilen, einer kleinen Pause mit Kokosnussmilch und wieder einem Fußmarsch bis zum nächsten Einstieg sind wir am Freitag endlich wieder auf dem Wasser. Schönes Wildwasser mit ein paar Flachstücken. Weil es oberhalb zu regnen begonnen hat, hören wir an einer Brücke auf, an der gleichzeitig ein stattlicher, sieben bis acht Meter hoher Wasserfall liegt. Ich lüge nicht – Minuten, nachdem wir alle mitsamt Ausrüstung das Flussbett verlassen haben, kommt die Flutwelle! Eine Kurve weiter oben liegen schon alle Steine unter Wasser, während der große Fels am Wasserfall noch staubtrocken ist. Ein paar Augenblicke zu spät – und es hätte es uns alle von dem Felsen und in die anschließende Schlucht gespült ...

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Am Donnerstag bringt uns ein Flugzeug nach Medan in Nordsumatra an die Ufer des Asahan-River. Er entspringt im Lake Toba und fließt 150 Kilometer in nordöstlicher Richtung. Wegen Bauarbeiten am Wasserkraftwerk läuft ordentlich Wasser in einem Zufluss zum Asahan, den wir somit erstbefahren können. Es beeindruckt uns vor allem der Harimo-Wasserfall direkt oberhalb des Einstiegs. Harimo ist das indonesische Wort für Tiger, und dass man sich von den Sumatra-Tigern fern halten soll, steht ja außer Frage ...
Als wir auf den Tiger-Fall zufahren, denke ich, er wäre gute 30 Meter hoch – cool. Doch bald wächst er auf etwa 40 Meter heran. Dann kraxele ich am Ufer näher, um die Lage besser einschätzen zu können. Da wird mir klar, das Ding misst 50 bis 60 Meter! Kein Wunder, dass unsere Angst vor den Tigerkrallen, d. h. einer unsanften Landung, schließlich größer ist als unsere Abenteuerlust ... Dafür entschädigt uns anschließend der obere Asahan-Fluss: riesige Wellen und Walzen – in etwa so wie die untere Ötztaler Ache bei richtig Suppe, aber das Ganze mit warmem Wasser und dafür etwas größer.

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Am Ostermontag sind Abschnitte des Shit-Creek bis zu seiner Mündung in den Asahan an der Reihe. Zwei schöne Wasserfälle bilden dort den Übergang von dem kleinen »Bach« zum wuchtigen Asahan, der weiter fließt in den Honeymoon-Canyon. Wuchtige Wassermassen pressen sich dort durch die manchmal nur fünf Meter breite Schlucht mit senkrechten Wänden. Die Schlüsselstelle kann man zum Glück vom rechten Ufer aus besichtigen, und der hohe Wasserstand nimmt ihr zudem den Schrecken, weil die Linie zwischen den Walzen hindurch ohne größere Schwierigkeiten zu treffen ist.
An unserem letzten Tag am Asahan paddeln wir noch einmal den oberen Teil nur so zum Spaß, bevor es in Richtung Pulau Banyak Island, vor Nordsumatra gelegen, geht und von da weiter nach Pulau Balai. Dort genießen wir die traumhaften Strände mit ihren Palmen und Kokosnüssen, mit Surfwellen, warmem Wasser und den riesigen Schildkröten, die wir nachts beim Eierlegen beobachten können.

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Nach diesem Erholungsurlaub ist eigentlich noch ein Kracher fällig, auf den ich mich schon die ganzen Wochen gefreut habe: der Wampu mit seinem etwa 25 Meter hohen Fall. Schon die Planung ist kompliziert. Off-road-Fahrzeuge hätten uns an einen Ort bringen sollen, von dem aus etwa zwei Stunden Wanderung jeweils zum Einstieg wie auch zum Fuß des Wasserfalls geplant waren. Wir wollten dann den Wampu weiter flussabwärts fahren, um in Bukit Lawang am Rand des Gunung Leuser Nationalpark die Orang Utans zu bestaunen.
Es kommt natürlich alles anders. Auf der Rückfahrt zum Festland geht es Olaf immer schlechter. Fieber in den Tropen? Schnell ins Krankenhaus! Ein paar negative Tests und einige Liter Kochsalzlösung später geht es Stunden weiter und am nächsten Tag ins nächste Krankenhaus. Da dort ebenfalls weder Malaria noch Dengue-Fieber oder Ähnliches diagnostiziert werden, können wir aufatmen. Es muss sich doch einfach um Dehydrierung und einen Sonnenstich gehandelt haben. Nach viel Schlaf geht es Olaf auch ein paar Tage später wieder gut – der Wampu-Fall allerdings fällt für uns ins Wasser.

 

Sponsoren: adidas, Langer, Dagger, Ty Warp, wave sport, Zoelzer, AKC , HF