NORWEGEN 1992 - 2006

Fotos: Jens Klatt

NORWEGEN FLUSSFÜHRER

Der beste Flussführer der Welt wurde von Jens Klatt produziert. Olaf Obsommer hat Jens beraten und seine Erfahrungen aus über 20 Reisen nach Norwegen eingebracht. Im Kanu Magazin Interview errzählt Jens Klatt über die Sonnen- und Schattenseiten dieses Mammutprojekts. 


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INTERVIEW Kanumagazin Jens Klatt:


Selten war sich die Paddel-Szene so einig: »Norway – The Whitewater Guide« ist der beste Flussführer, der je geschrieben wurde. KANU sprach mit Autor Jens Klatt über die Sonnen- und Schattenseiten dieses Mammutprojekts.

Jens, euer Führer wiegt über ein Kilo und enthält auf 244 Seiten Beschreibungen, Fotos und Karten zu 72 Flüssen, vielen Playspots, außerdem jede Menge Anekdoten und Hintergrundinfos. Wie lange arbeitet man an so einem Buch?
Von der Idee bis zur Umsetzung sind letztendlich mehr als 3 Jahre vergangen. Effektiv daran gearbeitet, das heißt vorm Computer gesessen, habe ich vielleicht ein Jahr. Aber es stecken über 10 Jahre Norwegen in diesem Buch, das darf man vielleicht auch nicht ganz vergessen.

Sitzt man mehr im Boot oder mehr am Schreibtisch?
Man kann den Arbeitsprozess grob in zwei Teile teilen: die Aufnahme der Information und Fotos vor Ort und die Ausarbeitung dann zu Hause am Computer. Beim zweiten Teil, der übrigens wesentlich länger dauert, sitzt man leider gar nicht mehr im Boot, sondern nur noch allein zu Haus vorm Bildschirm.

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Was ist bei eurem Führer anders als beim herkömmlichen DKV-Führer?
Ich sage mal, der DKV-Führer folgt einem etwas anderen Konzept. Er will Informationen liefern, kurz und prägnant. Informationen liefern wollten wir natürlich auch, aber wir wollten auch unterhalten. Zum einen mit Bildern, 390 an der Zahl, aber auch mit den Texten. Bei Flussbeschreibungen geht das natürlich nicht immer,  deswegen haben wir jedem Kapitel eine Kurzgeschichte zum Thema Paddeln angehangen. Nicht zu vergessen ist der Reiseführer über 50 Seiten, der von A wie Anreise bis Z wie Zeltplatz alle wichtigen Fragen beantwortet. Von »Wo will ich hin?« bis »Was brauche ich?«, über Fährverbindungen bis hin zum Zahlungsmittel. Im Anhang gibt es eine kleine Sprachhilfe, und Informationen, wie man weitere Informationen über Norwegen findet.

Was hast du am Norwegen-Buch selbst gemacht?
Bis auf die englischen Übersetzungen und ein paar Texte eigentlich fast alles: Fotos, Text, Grafik. Ich habe der Druckerei ein druckfertiges PDF abgegeben, die haben es dann gedruckt und gebunden und die Bücher inklusive Rechung an La Ola geschickt. Mit dem Verkauf an sich habe ich nichts mehr zu tun.

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Wer hat bei dem Projekt noch mitgearbeitet (und was gemacht?)
Geholfen haben jede Menge Leute. Natürlich der Olaf. Die Grobskizzen für die Flussbeschreibungen haben wir meist zusammen vor Ort erstellt, auch das Konzept haben wir zusammen diskutiert. Die Feinarbeit habe ich dann zu Hause gemacht.
Dann habe ich Kurzgeschichten von anderen Paddlern gesammelt, um nicht nur unseren Horizont wiederzuspiegeln. Olli Grau, Mariann Sæther, Nico Langner, Nils Kagel, Ben Brown und andere erzählen von ihren Erlebnissen. Hier und da haben mir dann die passenden Bilder gefehlt, da haben Leute wie Michi Neumann, Deb Pinniger, Sebastian Gründler und Manuel Arnu ausgeholfen. Dann gab es zwei Regionen, in denen wir uns nicht so genau auskannten. Die Hedmark und Sør-Trondelag. Da haben wir Ortskundige um Hilfe gebeten, wie Kanulehrer Manni Eckert und den Norweger Tore Meirik. Bei Grafikfragen hab ich Jan Halusca, der Grafiker von Olli Graus letztem Buch, und Manuel Arnu genervt. Benjamin Hjort, Ingrid Schlott, Kitt und Sebbi – so könnt ich ewig weiter machen. So viele Leute haben uns geholfen, wenn wir uns nicht sicher waren über dies und das. Ich glaube gerade das Feedback von anderen Paddlern war wichtig, um eine halbwegs objektive Beschreibung von Flüssen auf die Reihe zu bekommen. An dieser Stelle noch mal Danke an alle. Mehr als einen warmen Händedruck hat nämlich keiner von ihnen bekommen.

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Wie bist du dazu gekommen so ein Buch zu machen?
Eigentlich war es Olafs Idee. Olaf kennt sich in Norwegen aus wie kein Zweiter, selbst die Norweger fragen ihn gern um Rat. Wir waren viel zusammen in Norwegen unterwegs in den letzten Jahren, und er hat mir immer wieder von seinen Plänen erzählt mal einen Norwegenführer zu machen. Da er dazu aber nie Zeit hatte, hab ich das dann in die Hand genommen. Sein Wissen und meine Bilder, dann ist das mit dem Buch ja kein Problem mehr – dachten wir. Trotzdem standen wir vor einem riesigen Berg: Wir wussten zwar wo wir ungefähr hinwollten, zu einem Flussführer nach unserem Geschmack, aber der Weg dahin lag irgendwie im Dunkeln. Da kam dann Hans Mayer von La Ola ins Spiel. Er war sofort von unserer Idee begeistert und hat sich als Verleger angeboten. Somit hatten wir zumindest schon mal jemanden, der an der Ziellinie auf uns wartet.
Das Buch ist dann immer mehr gewachsen. Wir haben alle möglichen Flussführer studiert, aber auch Surf- und Kletterführer. Ich habe mir notiert was uns gefallen hat, und überlegt wie ich es auf meine Unterlagen anwenden kann.

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Konntest du am Anfang absehen, was da auf dich zukommt?
Nie im Leben! Ich dachte es ist so wie Fahrtenbuch führen: Einfach immer fleißig aufschreiben, wo man bei wie viel Wasser paddeln war, und dann wird das schon mit dem Flussführer. Das war dann aber nur etwa 25% der Arbeit. Bis unser Konzept fürs Buch stand und alle Texte halbwegs fertig waren, verging ne Menge Zeit. Dann die ganze grafische Umsetzung: Layout entwerfen, Karten zusammenbasteln, Bilder scannen und einstellen. Man wird eigentlich nie fertig. Immer wieder kommt man an den Punkt, wo man Hilfe von anderen braucht. Da kommt es dann auch schon mal zu Motivationsproblemen. Am Anfang war ich vielleicht etwas übermütig, deshalb habe ich soviel Schnick-Schnack mit ins Buch genommen. Das hat mich dann zum Schluss fast überrollt.

Warum ausgerechnet Norwegen? Fände ein Alpen-Führer dieser Qualität  nicht mehr Abnehmer?
Wahrscheinlich schon, aber ich war eben mehr in Norwegen unterwegs. Norwegen hat mich seitdem ich 1995 das erste Mal da war, enorm in seinen Bann gezogen. Das Wasser, die Weite, die Ruhe. Einfach herrlich. Um einen klaren Kopf zu bekommen, gibt es für mich kein besseres Land in Europa als Norwegen. Dinge die ewig sind, zeigen dir wo du stehst. Meine Mutter sagt, ich bin ein nordischer Typ. Vielleicht stimmt das ja. Urlaub im Süden hat mir noch nie wirklich gefallen. Über den Absatzmarkt für das Buch haben wir uns anfangs nie wirklich Gedanken gemacht, das kam dann erst am Schluss. Der Drang das Buch zu machen war irgendwie größer als alles andere.

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Kann man mit Flussführern Geld verdienen?
Wenn man es geschickt macht, vielleicht. Billig schwarz-weiß drucken, aufs wichtigste beschränken und möglichst wenig Arbeit investieren. Der Markt für so ein Buch ist begrenzt. Und an Büchern verdient man immer erst bei hoher Stückzahl, da dann die Druckkosten pro Buch enorm runtergehen. Deshalb haben wir auch eine englisch-deutsche Version gemacht, um unsere Auflage zu erhöhen.
Der Aufwand für das Norwegenbuch war eigentlich auch zu hoch. Zu viele zusätzliche Texte, viele Karten, viele Bilder, zusätzlich 50 Seiten über Norwegen und Paddeln in Norwegen. Damit sind die Übersetzungskosten ganz schön gestiegen. Die Produktion war eigentlich zu teuer und somit nicht wirklich wirtschaftlich. Aber Gott sei Dank hatten wir das Glück das unser Verleger Hans Mayer genau so verrückt ist wie wir. Er hat nie gefragt ob es finanziell richtig ist was ich da mache, er hat nur gesagt ich soll es geil machen.

Bist du alle Etappen selbst gepaddelt?
Wenn ich ehrlich bin: Nein. Ich sage mal zu 90 Prozent.

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Unter den Touren sind auch einige Erstbefahrungen. Wie hast du's mit der Schwierigkeitsbewertung gehalten?
Mmm, interessantes Thema. Das war so ein Knackpunkt, darüber haben wir stundenlang diskutiert und uns viel vor Ort auch mit anderen Paddlern unterhalten. Das ICF-Bewertungssystem hat das Problem, das es nie nach oben geöffnet wurde. Allerdings hat sich in den letzten Jahren viel getan im Bereich Wildwasser. Die Grenze des Machbaren wurde nach oben verschoben, es bleibt aber WW VI. Und das hat natürlich eine Auswirkung auch auf die leichteren Grade. Aber auch das Können des Durchschnittsfahrers hat sich erhöht. Unsere Bewertungen spiegeln das 21. Jahrhundert wieder, nicht mehr die Anfänge unseres Sports.
Aber insgesamt finde ich es etwas wahnwitzig die Komplexität  der Schwierigkeitsbewertung auf eine Zahl von 1 bis 6 reduzieren zu wollen. Ein genaueres Bewertungssystem, wie zum Beispiel das von Corran Addison, ist zwar differenzierter, aber war uns zu anstrengend, da es sich nur selten auf ganze Flüsse anwenden lässt. Würde man es auf einen Fluss mit unterschiedlichem Charakter anwenden, würde man sich in eine endlose Formel verstricken. Das wollten wir nicht. Paddeln soll ja auch noch Spaß machen. Wir haben lediglich ein paar Mal WW VII verteilt, um vielleicht mal die Richtung zu weisen, wo es hingehen kann.
Ansonsten haben wir die Bewertung einfach aufs wesentliche reduziert: WW I-III geht in einer Badewanne, WW IV zur Not auch noch – und darüber sollte man dann die Spritzdecke zu machen. Nein im Ernst, wir haben dem Thema 3 Seiten im Buch gewidmet.

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Olaf und du seid ja ausgewiesene Wildwasser-Cracks. Kann auch der Otto-Normal-Paddler etwas mit eurem Führer anfangen?
Uns war natürlich klar, dass wir kein Buch für den WW-V-Paddler machen brauchen. Gerade die letzten 2 Jahre waren wir vermehrt auf leichteren Flüssen unterwegs, um auch diese mit ins Buch nehmen zu können. In Norwegen gibt es viele Flüsse, die oft nur einzelne schwere Stellen haben, die wiederum leicht zu umtragen sind. Allerdings bringt man immer nur die Fotos von den schweren Stellen mit heim, was dazwischen liegt wird oft vergessen.

Wohin schickst du Norwegen-Newbies, die WW IV und rollen können?
Auf jeden Fall mal ab zur Sjoa. Die Sjoa ist sowieso für jeden Pflicht. In dieser Region bietet sich einiges an, vom Anfänger-Abschnitt bis hin zum Frauenwasserfall – und für die Männer auch was dolleres. Oder in die Hedmark, hier findet man 12 beschriebene Abschnitte von WW I-IV.

Was ist dein persönlicher Lieblingsfluss?
Skogsåa. Nein Tessungselva! Oder der Mår? Keine Ahnung, es gibt so viele geile Flüsse dort oben.

Ein Norwegen-Geheimtipp (Fluss oder Ausrüstung), der nicht im Buch steht?
Eigentlich nicht, steht alles im Buch. Aber ich bin sicher da wird sich schon noch was finden lassen.

Dein nächstes Projekt?
Erstmal das Semester heil überstehen! Dann geht’s mit Adidas nach Norwegen zum fotografieren. »Painkiller 3« steht ja auch noch aus, nimmt auch langsam Formen an. Als ich Hans, meinen Verleger, zu Ostern auf Korsika getroffen hab, hat er gefragt ob ich schon schöne Bilder gemacht hab fürs Korsika-Buch. Ich weiß aber gar nicht genau, ob ich das überhaupt will. Paddeln macht viel mehr Spaß, wenn man dabei nicht denken muss.

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Kurzportrait Jens Klatt

Jens Klatt, 30, stammt aus Brandenburg, wo er erste Paddelerfahrungen auf der Havel sammelte. Durch seinen Freund Carsten Schmidt landete er schließlich in der legendären Wildwasser-WG in Nussdorf, wo er  2000 auch einzog. Mit Olaf Obsommer, Manuel Arnu und Olli Grau als Mentoren folgten zahllose Trips in die Alpen, nach Neuseeland und Kanada, etliche Norwegenaufenthalte, Filmprojekte mit Olaf und ein Praktikum beim KANU-Magazin (für das Jens seither als Autor, Fotograf, Hiphop- und Style-Berater  tätig ist). Derzeit lebt er mit seiner Freundin Mira, dem Blindenhund-Azubi Lava und den zwei Frettchen Jackson und Schniepe in Augsburg, wo er auch die Uni besucht. Berufsziel? »So ganz entschieden ist das noch nicht – man muss das Glück auch manchmal auf sich zukommen lassen.«